Die PS-Zahlen klettern weiter

Väth Motoren

In den vergangenen Jahren war es den Tunern überlassen, die PS-Zahlen der biederen Originalmodelle auf teils unvernünftige Dimensionen zu steigern. Doch für die Optimierer könnte es offenbar schon bald keine Arbeit mehr geben, da die Fahrzeughersteller derzeit selbst die Pferdeställe unter der Haube deutlich vergrößern. Größer, schwerer und stärker ist das Motto der Stunde.

Durchschnittlich 140 PS

Die enorme Leistungssteigerung der Neuwagen ist für jeden klar erkennbar, der die Fahrzeugdaten der Neuerscheinungen einigermaßen im Blick hat. Um knapp 50 Prozent hat die durchschnittliche PS-Zahl in den vergangenen zwei Jahrzehnten zugelegt. Zu diesem Schluss kommt das Center of Automotive Research, kurz CAR, an der Uni Essen-Duisburg, das sich in einer Studie mit der Leistungssteigerung deutscher Neuwagen beschäftigt hat. Der durchschnittliche Neuwagen wird heute von 140 PS angetrieben, erneut eine Steigerung von zwei PS im Vergleich zum Vorjahr. Die Steigerungen sind seit 2007 allerdings weitgehend konstant, seitdem wird die Marke der 130 PS regelmäßig überschritten. Der einzige Ausreißer ist das Jahr 2009, das Jahr der Abwrackprämie, die viele Autofahrer nutzten, um ihre alten Fahrzeuge loszuwerden und in Mengen Kleinwagen gekauft wurden, die über einen schwächeren Motor verfügten. In diesem Jahr betrug die Leistung des durchschnittlichen Neuwagens lediglich 118 PS.

Größter Sprung bei Volkswagen

Die Leistungssteigerungen sind bei den Fahrzeugherstellern allerdings nicht gleichmäßig verteilt. Den größten Sprung konnte der Autobauer Volkswagen hinlegen. Mitte der 1990er Jahre musste sich die VW-Kunden noch mit durchschnittlich knapp 80 PS begnügen, im vergangenen Jahr versorgten die Wolfsburger die Autofahrer bereits mit durchschnittlich 128 PS. Der Grund für diese Entwicklung ist, dass der Autobauer große und schwere Modelle wie SUV oder den Phaeton im Portfolio hat, die natürlich potentere Antriebe benötigen. Ferdinand Dudenhöffer, dem Direktor von CAR, liegt hier auch bei den anderen Autobauern der Grund für die enorme Steigerung der Motorleistung. Der SUV-Boom der vergangenen Jahre habe dazu geführt, dass die Motoren deutlich potenter wurden. Ein sekundärer Grund, der den Boom der SUV begünstigt hat, war der fallende Kraftstoffpreis.

Sinkende Verbrauchswerte mit Vorsicht genießen

Zum anderen ist es den Autobauern gelungen, zwar die Leistung ihrer Antriebe zu steigern, jedoch bei paralleler Absenkung des Kraftstoffverbrauchs. Den Angaben der Hersteller zufolge verbrauchen Otto-Motoren heute durchschnittlich nur noch 5,6 Liter auf 100 Kilometer, Diesel 5,0 Liter. Diese Werte sind allerdings angesichts der lauter werdenden Diskussion um die Testverfahren zum Spritverbrauch mit Vorsicht zu genießen. Kritiker monieren, dass diese den Autobauern zu viel Freiraum für Tricksereien ließen, so dass die ermittelten Werte zum Kraftstoffverbrauch teils drastisch vom Verbrauch unter Realbedingungen abweichen.